Schimpansen, Bonobos und Homo Sapiens – eine anthropologische Analogie

In einer im Frühsommer 2014 ausgestrahlten Reportage über den Fluss Kongo wurden einige bemerkenswerte Erkenntnisse über die dort lebenden Primaten dargelegt. So wurde festgestellt, dass der Kongo eine Entwicklungsgrenze in der evolutionären Entwicklung zieht.
Nördlich des Flusses leben als unsere nächsten Verwandten die Schimpansen. Sie sind organisiert in kleinen Verbänden, an deren Spitze ein Mann steht. Diese mit absolutem Machtanspruch ausgestattete Persönlichkeit organisiert seine Herrschaft über das, was man unter Menschen als Männerbünde bezeichnen würde. Durch Zeichen- und Lautkommunikation stimmen sich die Männer dieser Gruppe untereinander ab. Sie organisieren sowohl Jagden auf kleinere Primaten als auch Feldzüge in die Territorien benachbarter Schimpansengruppen. Hierbei schrecken sie vor der Tötung von gruppenfremden Artgenossen nicht nur nicht zurück, sie scheint sogar konzeptionelles Ziel der Aktion zu sein.
Innerhalb der Gruppe besteht eine absolute Dominanz über die Weiber, die keinerlei Mit- und Selbstbestimmungsanspruch haben und – anders als die Männer – keine Freundschaften unter Geschlechtsgenossen/innen bilden. Die nach Außen dokumentierte Brutalität der Männer wirkt ebenso nach innen. Unbotmäßige Weiber werden verfolgt und brutal gemaßregelt. Das kann bis zum Tode der verfolgten und misshandelten Weiber und ihrer Säuglinge führen. Konfliktlösung erfolgt grundsätzlich durch Gewaltanwendung. Bei der Nahrungsaufnahme und insbesondere bei aufwändig zu beschaffenden Gourmet-Spezialitäten wie frischem Fleisch herrscht Futterneid – eine sozial verträgliche Aufteilung der Beute erfolgt nicht.

Südlich des Kongo leben inmitten des tiefen Urwaldes die engsten Verwandten der Schimpansen. Diese fast identischen Primaten mit der Bezeichnung Bonobo stellen in ihrem Verhalten fast in allen Punkten das genaue Gegenteil der Schimpansen dar. Zwar leben auch sie in kleinen Sozialverbänden, die jedoch von einem dominierenden Weib geführt werden. In diesen Gruppen stellen die Männer die rangniedrigsten Mitglieder der Gruppe dar.
Auch Bonobos gehen gemeinsam auf Jagd, jedoch sind Feldzüge gegen benachbarte Gruppen unbekannt. Vielmehr erfolgt bei zufälligem Zusammentreffen Kontaktaufnahme und Kommunikation. Sowohl innerhalb der Gruppe als auch zwischen den Gruppen kann es zu Konflikten kommen, die jedoch nie die Brutalität der Schimpansengruppen erreichen. Die Konfliktlösung erfolgt durch die Weiber – allen voran dem Alphaweib – auf friedlichem Wege: Durch Sex. Diese Form der konfliktlösenden Kommunikation ist derart präsent, dass sich der Eindruck vermittelt, die Bonobos seien beständig mit sexuellen Handlungen beschäftigt. Hierbei ist es nicht nur der direkte Kontakt der Geschlechtsorgane – auch der schnelle Handgriff in die Klitoris oder an den Penis trägt zur augenblicklichen Entspannung von Stresssituationen bei. Bonobo-Gruppen agieren sozial, indem beispielsweise tierische Beute gerecht verteilt wird.

Mögliche Erkenntnisse

Jenseits der Faszination, die dieses gänzlich unterschiedliche Sozialverhalten annähernd artgleicher Individuen in unterschiedlichen Lebensräumen aufweist, und der Erkenntnis, dass sexuelles Lustempfinden offensichtlich nicht auf den Oberprimaten Homo sapiens beschränkt ist – denn andernfalls würde die Konfliktlösungsstrategie der Bonobos nicht funktionieren – stellt sich die Frage, ob hier bestimmte Muster für die menschliche Entwicklung zu erkennen sind. Falls dieses so sein sollte, stellt sich weiterhin die Frage, welche Konsequenzen und Annahmen sich daraus ableiten lassen.
Offensichtlich liegt die Ursache des gänzlich unterschiedlichen Sozialverhaltens beider Arten in unterschiedlichen Lebensbedingungen begründet. Während die Schimpansen sich in Feuchtsavannenwäldern aufhalten, in denen das Nahrungsangebot nicht im Überfluss vorhanden ist, wachsen den Bonobos in ihren Regenwäldern die Früchte im wahrsten Sinne des Wortes in den Mund.
Schimpansen befinden sich daher in einer ständigen Konkurrenz und Bedrohungssituation sowohl gegenüber anderen Schimpansengruppen als auch gegenüber einer nur mäßig wohlwollenden Umwelt. Das männerbündlerische Verhalten mit der damit verknüpften Brutalität nach Außen wie nach Innen scheint unter diesen Bedingungen dem Arterhaltungsgebot am ehesten zu dienen. Die aktuell ungelöste Frage, warum die dominierenden Männer zwecks Disziplinierung sogar den Tod einzelner Weiber in Kauf nehmen, könnte zweierlei Gründe haben:
– Undisziplinierte, misshandelte Weiber könnten bei passender Gelegenheit den Versuch unternehmen, in eine andere, grundsätzlich als gegnerisch begriffene Gruppe überzulaufen. Die brutale Disziplinierung diente insofern der Abschreckung.
– Bei akutem Weibermangel könnte der Männerbund einen Feldzug starten, um Weiber der gegnerischen Clans zu kidnappen. Falls letzteres der Fall sein sollte, wäre der Wert der Frau in der Schimpansengesellschaft der eines Sachgegenstandes, der bei Bedarf einem anderen gestohlen werden kann.
Bonobos hingegen befinden sich unter keinem Nahrungsmittelerwerbsdruck. Sie leben in einer Überflussgesellschaft, was sowohl die Notwendigkeit der Verdrängung und Abschottung gegen artgleiche Nahrungskonkurrenten unnötig macht als auch Gewaltanwendung zwecks Nahrungssicherung in der Gruppe überflüssig erscheinen lässt.

Bei den Hanuman-Languren in Indien wurde beobachtet, dass die Sozialverbände dieser Primaten in freier Wildbahn nach dem Haremsprinzip organisiert sind: An der Spitze der Gruppe steht ein unangefochtener Alphamann. In der deutlich entspannteren Lebensumfeldsituation der in den menschlichen Städten lebenden Sozialverbände hingegen herrscht zwischen den Männern Gleichberechtigung und in der Gruppe Polygamie.
Nun wäre es sicherlich falsch, die Lebenssituation der Bonobos oder der Stadtlanguren als „zivilisiert“ im menschlichen Sinne zu bezeichnen. Dennoch ist festzustellen, dass offensichtlich sowohl bei Schimpansen/Bonobos wie bei den Languren das Sozialverhalten in unmittelbarer Abhängigkeit von den Faktoren Nahrungsmittelangebot und Bedrohung steht.
Auf den ersten Blick will das fast wie eine lapidare Feststellung erscheinen. Dort, wo das Lebensumfeld zwecks Arterhaltung den Einsatz von Gewalt erfordert – sei es bei der Nahrungsmittelbeschaffung, sei es bei der Gefahrenabwehr – sind die Männer weil nicht durch Nachwuchs standortgebunden die biologisch stärkeren und als eigentliche Akteure im Überlebenskampf im wahrsten Sinne des Wortes das starke Geschlecht. Ihre Dominanz in der Gruppe sichert daher über den Gruppen- den Arterhalt.
Im Lebensumfeld der Bonobos hingegen fällt die Notwendigkeit von Gewaltanwendung weitgehend weg. Das im Überfluss vorhandene Nahrungsangebot macht Nahrungskonkurrenz überflüssig. Die Nachbargruppe stellt somit keine Bedrohung dar. Folgerichtig sind die Eckzähne – anders als bei den Schimpansen – bei beiden Bonobo-Geschlechtern gleich groß.
In vergleichbarer Situation geht bei den Languren die Harems-Dominanz des einzelnen Diktatoren an eine im Wesentlichen gleichberechtigte Gruppe von allen Männern und bei den Bonobos über diese immer noch männlich dominierte Langurengesellschaft hinaus sogar an die Weiber, von denen eines die Führungsrolle übernimmt, ohne diese mit Gewaltanwendung erkämpfen oder verteidigen zu müssen. Die Anerkennung ihrer Führungsrolle, die mit dem Begriff Dominanz falsch beschrieben wäre, erfolgt zumindest durch die anderen Weiber offenbar in Form stillschweigender Akzeptanz – wenn man so will eine Form demokratischen Einvernehmens. Die Männer haben bei der Festlegung der Führungsposition offenbar nichts zu melden.

Anthropologische Analogien

Gehen wir von der Annahme aus, dass es sich bei den Beobachtungen bei Primaten nicht um evolutionäre Zufälligkeiten handelt, sondern Kausalzusammenhänge bestehen, so könnte dieses auf eine schlichte Formel gebracht werden:

– Je größer der Aufwand zur Versorgung und Sicherheit der Gruppe, desto ausgeprägter nimmt die Gemeinschaft von Gewalt geprägte, männlich-totalitäre Herrschaftsformen an.
– Je geringer der Aufwand zur Versorgung und Sicherheit der Gruppe, desto unmaßgeblicher wird das Gewaltanwendungspotential und umso mehr entwickelt sich die Sozialgemeinschaft über Gleichberechtigung hin zur weiblichen Dominanz.

Angenommen, es wäre zulässig, diese Formel unmittelbar auch auf den führenden Primaten auf diesem Planeten anzuwenden, dann führt dieses nicht nur zu spannenden Beurteilungen geschichtlicher Vorgänge, sondern lässt auch tiefe Rückschlüsse auf aktuelle politische Konflikte und Herrschaftsstrukturen zu.

Der anthropologische Ursprung

Es gilt haplogenetisch als gesichert, dass der menschliche Ur-Adam in der Region des westlichen Kongo angesiedelt war. Dieses entspricht der Annahme, dass sich Pongo (Orang-Utan) und Gorilla von der gemeinsamen Linie abspalteten, bevor es zur Trennung von Schimpanse, Bonobo und Homo kam. Dieses erklärt gleichzeitig die hohe DNA-Übereinstimmung – und könnte bedeuten, dass Homo in seinen Anlagen sowohl die Möglichkeiten des Schimpansen wie auch die des Bonobo in sich trägt.

Schimpanse entwickelte sich in den feuchten Savannenwaldregionen westlich des afrikanischen Grabens und nördlich des Kongo. Dort entsteht ein von männlich-diktatorischer Gewalt geprägtes Gesellschaftsmodell.

Bonobo hingegen ging seinen Weg im Wohlstand des Regenwaldes und entwickelte dort eine friedfertige, weiblich geprägte Zivilisation.

Und Mensch? Er entwickelte sich jenseits des afrikanischen Grabenbruchs in den Trockensavannen Ost- und Südafrikas.

Trifft die oben gezeichnete Formel zu, so wäre der afrikanische Frühmensch von einer noch ausgeprägteren Brutalität geprägt gewesen als der Schimpanse heute. Denn sein Lebensumfeld war insgesamt noch lebensfeindlicher als die Feuchtsavannenwälder der Schimpansen.
Ein Blick auf heutiges, menschliches Verhalten will ohnehin den Eindruck vermitteln, dass die Verhaltensnähe zum Schimpansen deutlich ausgeprägter ist als jene zum Bonobo. Das allerdings mag täuschen – und zwar sowohl in der aktuellen wie in der historischen Betrachtung.

Patriarchat versus Matriarchat

Es ist allgemein vertretene Auffassung, dass in einer frühen menschlichen Entwicklungsphase das Matriarchat vorherrschte und dieses erst im Laufe der Populationszunahme durch das Patriarchat abgelöst wurde.
Diese Auffassung gerät allerdings angesichts der Entwicklungsformel ins Wanken. Denn diese bedeutet, dass sowohl frühmenschliche Zivilisationen wie die der Neandertaler, aber auch der mit diesen konkurrierenden Homo sapiens in von Gewalt geprägten, diktatorisch geführten Sozialverbänden gelebt haben müssen. Der friedfertige Urmensch des Paradieses bleibt angesichts des zu unterstellenden Konkurrenzdrucks und des unvermeidbaren Aufwandes bei der Nahrungsbeschaffung daher Wunschdenken.

Gleichwohl scheint es in der menschlichen Geschichte Phasen des Matriarchats gegeben zu haben, die sowohl durch die sogenannten „Venus“-Statuetten als auch durch bronzezeitliche Religionskonzepte wie dem des Ishtar/Asherah-Kultes belegt zu sein scheinen.

Wenn die oben aufgestellte Formel stimmt, müssen die Phasen des Matriarchats beziehungsweise der weitgehend gewaltfreien Gleichstellung von Mann und Frau in der menschlichen Gesellschaft in Phasen des Überflusses gefallen sein. Das wiederum würde bedeuten, dass beispielsweise die Megalithkultur auf dem heutigen Malta in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einer Überversorgung der Population steht. Das nun könnte erklären, weshalb ein offensichtlicher Arbeitskraftüberschuss bestand, der zum Bau der Megalith-Monumente genutzt werden konnte. Gleichzeitig dokumentiert die Leibesfülle der Venus-Statuetten nicht nur ein weibliches Idealbild aus Männersicht, sondern beschreibt den materiellen Wohlstandsüberfluss, der diese Leibesfülle nicht nur als Ideal, sondern als tatsächlichen Zustand ermöglichte.
Dennoch dokumentiert beispielsweise der Pyramidenbau in einem des Matriarchats unverdächtigen Ägypten, der ebenfalls eine Überflussversorgung voraussetzt, dass entsprechende Kulturleistungen auch in männlich dominierten Gesellschaften möglich waren.

Religionsanthropologisches

Ähnliches müsste folgerichtig beispielweise auch für die assyrisch-aramäische Hochkultur angenommen werden, in der – wie ich im Biblikon-Projekt dargelegt habe – noch im siebten vorchristlichen Jahrhundert eine weibliche Göttergleichberechtigung festzustellen ist. Trotz der in der späten Bronze- und frühen Eisenzeit bestehenden imperialen Aggressivität einzelner Herrschaftshäuser lässt der hohe Rang weiblicher Götter auf eine insgesamt wohlhabende und weitgehend gewaltunnotwendige Zivilgesellschaft schließen.
Am Beispiel Judäa hatte ich im Biblikon-Projekt aufgezeigt, wie 622 vc die gesellschaftliche Dominanz der weiblichen Gottheit von einem gewaltbereiten Männerbund durch einen ausschließlich männlich dominierten Eingott-Kult abgelöst wurde.
Von diesem Eingott-Kult ausgehend traten in den folgenden Jahrhunderten von der südwestasiatischen Region mehrere männlich-gewalttätige Religionskonzepte ihren Siegeszug über die Welt an – zuletzt in Form des im siebten nachchristlichen Jahrhundert entwickelten Islamkonzepts, das in seinem als Koran bezeichneten Glaubensmanifest sich ausschließlich an Männer wendet und das weibliche Element auf der Ebene einer Sache abhandelt.
Wir könnten demnach mit Fug und Recht die Behauptung aufstellen, dass der Islam eine Religion ist, die dem anthropologischen Entwicklungsstand des Schimpansen entspricht. Das allerdings gilt ebenso für das mosaische Glaubenskonzept, das ebenfalls uneingeschränkt männlich dominiert ist und mehr noch als der Islam in der Entgöttlichung des Weiblichen ein wesentliches Element seines Konzeptzieles findet.
Lediglich das Urchristentum entspricht ein wenig mehr dem städtischen Lemuren, indem es mit Maria und Maria Magdalena weibliche Elemente zulässt und mit den Jüngern eine Gemeinschaft von gewaltfreien und unter der Autorität Jesu gleichberechtigten Männern aufzeigt. Allerdings wird auch dieses Glaubenskonzept spätestens unter Constantin schimpansisiert und findet sich diese Kulturebene insbesondere im männerbündisch organisierten Klerus von orthodoxer wie katholischer Kirche manifestiert. Erst mit den post-lutherischen christlichen Sekten und der Zulassung von Frauen in höchsten Kirchenämtern erfolgt hier ein kleiner Schritt zur Bonobo-Kultur.

Politikanthropologisches

Noch deutlicher als im Bereich der Glaubenskonzepte wird die Formel mit Blick auf die politischen Strukturen in Geschichte und Gegenwart. Der tagesaktuelle Konflikt zwischen russischem Patriarchat – welches sich deshalb der ausgeprägten Unterstützung durch den orthodoxen Klerus erfreut – und westeuropäischer Gleichberechtigung – von den dominanten Patriarchen gern als „Verweichlichung“ geschmäht (was als Synonym von „Verweiblichung“ begriffen wird) – zeigt in gewisser Weise genau diesen anthropologischen Unterschied zwischen einer Schimpansenkultur und den Ansätzen der Bonobokultur auf.

Die Schimpansenkultur eines Vladimir Putin (oder zuvor eines Adolf Hitler, Josef Stalin etc.) basiert auf dem Männerbund und der Verdinglichung der Frau. Sie wird geprägt vom Beuteverhalten einer bedrohten und um eine ausreichende Nahrungsversorgung kämpfende Männergesellschaft.
Der männerbündlerische Diebstahl der Krim und die Invasion entsprechend geprägter Gruppen in der Ostukraine zeigen diese Verhaltensmuster der Schimpansengesellschaft ebenso wie der aktuell beständig deklarierte Anspruch auf die Güter der Arktis.
Das für die Öffentlichkeit präsentierte Imponier- und Dominanzverhalten des Alphamännchens setzt der Analogie zur Schimpansenkultur gleichsam die anthropologische Krone auf.

Anders hingegen die westeuropäische Kultur des zwanzigsten Jahrhunderts, die nach den unmittelbar erlebten Konsequenzen der angewandten Schimpansenkultur über eine Entwicklung der Zivilisierung in eine Wohlstandsgesellschaft eintrat, die die Aspekte der Schimpansenkultur in der Hintergrund drängte und nicht zuletzt durch die sexuelle Revolution der späten sechziger Jahre einen deutlichen Schritt zur Bonobokultur machte.

Nun sind allerdings die westeuropäischen Gemeinschaften noch weit davon entfernt, die Diktatur des gewalttätigen Schimpansen-Alphamannes durch die Dominanz des friedfertigen Bonobo-Alphaweibes ersetzen zu können.
So kopierte Maggie Thatcher als erste Frau, die in diesen Gesellschaften eine politische Führungsposition übernahm, letztlich das Dominanzverhalten des schimpansoiden Alphamannes. Angela Merkel, die wir als zweite Frau von tatsächlich weltpolitischer Bedeutung erkennen können, weist dagegen schon deutlich mehr bonoboide Verhaltensmuster auf. Nicht, dass sie bestehende Konflikt über angewandte sexuelle Aktion zu lösen suchte, jedoch entbehrt ihr Verhalten jedweden gewaltdokumentierenden Auftritts. Auch beruht ihre Führungsrolle nicht auf dokumentiertem und öffentlich präsentierten Machtanspruch wie bei ihrem unmittelbaren Amtsvorgänger, sondern vielmehr auf einem stillschweigenden Zustimmungskonsens.
In der westeuropäischen Gesellschaft geht Bonoboisierung einher mit dem Durchbruch von Verhaltenformen, die in den Augen der schimpansoiden Alphamänner abartig und widernatürlich sind: Homosexuelle Handlungen sind gesellschaftsfähig, Frauen erobern sich nicht nur die Selbstbestimmung über ihr Sexualverhalten, sondern streben selbst in Führungspositionen, wobei sie ähnlich wie Merkel kein männliches Dominanzverhalten an den Tag legen.

Von der Schimpansen- zur Bonobo-Kultur

Können wir folglich die These aufstellen, dass sich die moderne, westeuropäische Gesellschaft auf dem Wandel von der Schimpansen- zur Bonobokultur befindet?

Die Enttabuisierung des Sexuellen, dessen Tabu wiederum unverzichtbar ist als Machtinstrument des Patriarchats indem die Frage, wer über das Recht auf Sex bestimmt, die Anbindung der Betamänner an den Alphamann organsiert, ist ein Schritt in die Kultur des Bonobo. Die sexuelle Verklemmtheit der islamischen ebenso wie der traditionell-christlich-klerikalen Kultur ist die Manifestation des Schimpansen. Ob Hexenverfolgung oder die Inhaftierung der Damen von Pussy Riot (auf Deutsch: Mösen-Ärger oder Vagina-Verdruss) sind unmittelbarer Ausdruck der Dominanzsicherung des Alpha-Schimpansen. Die männliche Bereitschaft, Frau lieber zu vernichten als ihr Selbstbestimmung einzuräumen, steht analog zum Verhalten der Schimpansen-Männerbünde gegen unbotmäßige Weiber.

Unter diesem Aspekt befindet sich die menschliche Kultur zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts tatsächlich auf der Stufe einer grundlegenden, kulturellen Neuausrichtung. Entweder, sie verharrt auf der Kulturstufe des Schimpansen, indem sich männlich-diktatorisches Dominanzverhalten durchsetzt, oder sie schafft den Sprung zur friedfertigen Konfliktlösungsstrategie der Bonobo-Kultur.

Hierbei allerdings wird nun auch ein weiterer Aspekt berührt, der jedoch in diesem Essay nur angerissen werden soll.

Wenn die Schimpansen-Kultur maßgeblich darauf basiert, dass sowohl eine äußere Bedrohung wahrgenommen wird als auch scheinbar oder tatsächlich eine Versorgungsknappheit zu bewältigen ist, und dagegen die Bonobo-Kultur sowohl den weitestgehenden Wegfall existenzieller Bedrohung sowie Versorgungsüberfluss voraussetzt, dann kann die zivilisatorische Entwicklung vom gewalttätigen Schimpansen zum friedfertigen Bonobo nur gelingen, wenn dieses mit der Versorgungsüberflusssicherung einher geht. Vielleicht ist es gerade das nicht nur historische Bestreben der Männerbünde gewesen, Fortpflanzungsregelungen deshalb grundsätzlich als „böse“ und „gottesfeindlich“ zu diffamieren. Die Hexenverfolgung fand eine ihrer Ursachen auch darin, dass jene klugen Frauen über Möglichkeiten der Empfängnisverhütung und/oder der Schwangerschaftsbeendigung verfügten, was einerseits der Frau eine Möglichkeit der Selbstbestimmung über ihren Körper gab und gleichzeitig Überpopulationen zu vermeiden half. Das nach wie vor bestehende Dogma der uneingeschränkten Massenvermehrung ist insofern tatsächlich nichts anderes als ein menschliches Instrument zur Machtsicherung der Schimpansendominanz.

Darüber nachzudenken soll allerdings einem späteren Essay vorbehalten bleiben.

© 2014 Spahn/FoGEP (04062014)

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